Das Woermannhaus in Swakopmund mit seinem hohen Damaraturm
Reiseführer

Swakopmund Stadtrundgang: Geschichte und Architektur der Altstadt auf eigene Faust

Erkunde das koloniale Zentrum von Swakopmund auf einer Runde von 2–3 Stunden, mit 14 nummerierten Stationen und einem ehrlichen Blick auf die Geschichte hinter den hübschen Fassaden.

Aktualisiert 13 Min. LesezeitVon Swakopmund Backpackers

Die kompakte Altstadt von Swakopmund erkundest du am besten zu Fuß. Dieser Rundgang auf eigene Faust führt dich auf einer Runde von 3–4 km zu 14 Stationen: vom Leuchtturm und der Mole durch den kolonialen Kern bis zum alten Bahnhof und zum Sonnenuntergang zurück zur Jetty. Er dauert 2–3 Stunden, kostet nichts, solange du nicht in die Museen gehst, und zeigt auch, was die Fassaden verschweigen: die Rolle der Stadt beim Völkermord an den Ovaherero und Nama von 1904–1908.

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Karte von Swakopmund & der Namib-Küste

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  • Jetty von SwakopmundIn der Stadt

    Die historische eiserne Landungsbrücke aus der deutschen Kolonialzeit, heute mit Seafood-Restaurant am Ende und dem klassischen Sonnenuntergangsblick.

  • Leuchtturm & MoleIn der Stadt

    Der rot-weiße Leuchtturm und die Mole am Palm Beach, das Herz der Strandpromenade.

  • WoermannhausIn der Stadt

    Ein markantes Handelshaus aus der Kolonialzeit mit Aussichtsturm, ein Höhepunkt jedes Altstadtrundgangs.

  • Swakopmund MuseumIn der Stadt

    Traditionsreiches Museum an der Mole zu Naturgeschichte, Völkern und kolonialer Vergangenheit der Region.

  • Kristall GalerieIn der Stadt

    Eine Galerie rund um eine riesige Quarzkristallgruppe, mit Edelsteinladen und Mineralienausstellung.

  • Township Mondesa4 km · 10 Min.

    Swakopmunds größtes Township, am besten auf einer Tour mit lokalen Guides, Hausbesuchen, Essen und Musik.

  • Dünengürtel (Sandboarding & Quads)6 km · 10 Min.

    Die Dünen südlich des Swakop entlang der B2, wo die meisten Sandboarding-, Quad- und Living-Desert-Touren stattfinden.

  • Waterfront Walvis Bay35 km · 30 Min.

    Startpunkt der Delfin- und Robbenfahrten, mit Austern- und Seafood-Restaurants am Wasser.

  • Düne 738 km · 35 Min.

    Eine der höchsten Dünen der Gegend am Rand von Walvis Bay, mit steilem Aufstieg, Picknickplatz und MEFT-Eintritt.

  • Lagune Walvis Bay (Flamingos)38 km · 35 Min.

    Ein Ramsar-Feuchtgebiet, in dem Tausende Flamingos nahe der Esplanade fressen, kostenlos zugänglich.

  • Pelican Point65 km · 1 Std. 30 (nur 4x4 oder per Boot)

    Eine Landzunge mit Leuchtturm von 1932 und großer Robbenkolonie, am besten per Bootstour oder Kajak ab Walvis Bay.

  • Wrack der Zeila60 km · 45 Min.

    Ein 2008 gestrandeter Fischtrawler in der Brandung, etwa 14 km südlich von Henties Bay, heute Heimat von Kormoranen.

  • Henties Bay75 km · 50 Min.

    Ein kleiner Angler- und Ferienort mit Tankstelle und Fischrestaurants, Tor zu Cape Cross und zur Skelettküste.

  • Mondlandschaft35 km · 40 Min. (Piste)

    Vom Swakop ausgewaschene Grate und Täler, am schönsten im frühen Morgen- oder späten Nachmittagslicht (Parkgenehmigung nötig).

  • Oase Goanikontes40 km · 50 Min. (Piste)

    Eine grüne Oase im Swakop-Flussbett mit Restaurant, Pool und schattigen Stellplätzen, der ideale Mittagsstopp am Welwitschia Drive.

  • Welwitschia-Ebene65 km · 1 Std. 15 (Piste)

    Eine Kiesebene mit uralten Welwitschia mirabilis, darunter ein eingezäuntes Riesenexemplar von weit über 1.000 Jahren.

  • Sandwich Harbour80 km · 2 Std. (nur 4x4, gezeitenabhängig)

    Riesige Dünen, die neben einer Ramsar-Lagune in den Atlantik abfallen, erreichbar mit geführten 4x4-Touren bei Niedrigwasser.

  • Robbenreservat Cape Cross125 km · 1 Std. 30

    Eine der größten Kolonien von Südafrikanischen Seebären weltweit, mit bis zu etwa 210.000 Tieren, neben einer Nachbildung von Diogo Cãos Steinkreuz von 1486.

  • Spitzkoppe150 km · 2 Std.

    Granitgipfel rund 700 m über der Ebene, mit berühmtem Felsbogen, San-Felsmalereien und Community-Campingplatz.

  • Brandberg220 km · 3 Std.

    Namibias höchster Berg (2.573 m), Heimat der „White Lady“ und tausender weiterer Felsbilder.

  • Windhoek360 km · 4 Std.

    Namibias Hauptstadt und wichtigstes internationales Tor, rund vier Stunden landeinwärts auf Teerstraßen.

  • Sossusvlei400 km · 6 Std. (überwiegend Piste)

    Namibias berühmte rote Dünen und das Deadvlei, eine Tour mit Übernachtung über Walvis Bay, den Kuiseb-Pass und Solitaire.

Kartendaten © OpenStreetMap-Mitwirkende. Entfernungen auf der Straße ab Stadtzentrum Swakopmund, ungefähr.

Bevor du losgehst: warum die Geschichte wichtig ist#

Swakopmund wurde 1892 gegründet, als Hauptmann Curt von François diese Stelle als Hafen für die deutsche Kolonie Deutsch-Südwestafrika auswählte. Walvis Bay, der einzige natürliche Tiefwasserhafen in der Nähe, gehörte zu Großbritannien. Zwischen den 1890er-Jahren und dem Ersten Weltkrieg wuchs die Stadt als wichtigster Einreisehafen der Kolonie rasch. Die meisten Gebäude, die du auf diesem Rundgang siehst, stammen aus dieser kurzen Zeitspanne, etwa von 1894 bis 1914.

Diese Gebäude sind schön, und viele davon sind Nationaldenkmäler. Aber sie entstanden während einer kolonialen Besatzung, in Swakopmund zum Teil durch Zwangsarbeit. Nachdem sich die Ovaherero und Nama 1904 gegen die deutsche Herrschaft erhoben hatten, führten deutsche Truppen einen Feldzug, den Historiker als ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts bezeichnen. Zehntausende Ovaherero und Nama wurden getötet oder starben an Hunger, Durst und Krankheiten. Häufig genannte Schätzungen gehen von rund 65.000 Ovaherero (etwa 80 % der Bevölkerung) und 10.000 Nama (etwa die Hälfte) aus.

In Swakopmund gab es von 1904 bis 1908 Konzentrationslager. Forschungen des Swakopmund Museums haben fünf Lager in der Stadt nachgewiesen: vier wurden von privaten Unternehmen betrieben, um Zwangsarbeiter unterzubringen, und eines stand unter militärischer Kontrolle. Die Gefangenen, darunter Frauen und Kinder, mussten Schiffe entladen, Eisenbahnlinien bauen und für Kolonialfirmen arbeiten, und viele von ihnen starben. Allein für die sieben Monate von Juli 1905 bis Februar 1906 verzeichnet das Sterberegister der Stadt den Tod von 342 Ovaherero-Frauen. Schätzungen zur Gesamtzahl der Toten in den Lagern von Swakopmund gehen in die Tausende; die Forschungsgruppe Forensic Architecture beziffert sie allein für die Ovaherero auf rund 2.000. Die meisten wurden in flachen, unmarkierten Gräbern am Stadtrand verscharrt (siehe die Erweiterung am Ende dieses Rundgangs).

2021 erkannte Deutschland diese Ereignisse offiziell als Völkermord an und sagte 1,1 Milliarden Euro an Entwicklungsgeldern über 30 Jahre zu. Viele Vertreterinnen und Vertreter der Ovaherero und Nama lehnen dieses Abkommen als unzureichend und ohne sie ausgehandelt ab, und die Debatte geht weiter. 2025 beging Namibia am 28. Mai zum ersten Mal einen nationalen Gedenktag für die Opfer des Völkermords.

Diese Geschichte im Hinterkopf zu behalten, verdirbt dir den Rundgang nicht. Sie gibt dir ein viel wahrhaftigeres Bild der Stadt als das Postkartenklischee vom „Klein-Bayern am Meer“.

Die Route im Überblick#

Nr. Station Was es ist Ungefähres Datum
1 Leuchtturm Wahrzeichen von Swakopmund 1902–1903, 1910 erhöht
2 Swakopmund Museum Natur- und Kolonialgeschichte; Ausstellung zum Völkermord Gegründet 1951
3 Die Mole Gescheiterte Hafenmauer Erbaut ca. 1899–1903
4 State House Ehemaliges Bezirksgericht 1902
5 Marine-Denkmal Umstrittenes koloniales Kriegerdenkmal 1908
6 Café Anton / Schweizerhaus Klassischer Kaffeestopp —
7 Woermannhaus Sitz eines Handelshauses, heute Bibliothek 1894, erweitert 1903–1904
8 Hohenzollernhaus Ehemaliges Hotel mit Atlas-Statue 1904–1906
9 Tobias Hainyeko Street & Brauhaus Arcade Einkaufsstraßen, Passagen, Kunsthandwerk Frühes 20. Jahrhundert bis heute
10 Evangelisch-Lutherische Kirche Neobarocke Kirche 1910–1912
11 Alter Bahnhof (Swakopmund Hotel) Bahnhofsgebäude, heute ein Hotel 1901
12 Alte Kaserne Kaserne, später Schule und Jugendherberge 1905–1906
13 Prinzessin-Rupprecht-Heim Ehemaliges Militärlazarett, heute Hotel und Altenheim 1901–1902
14 Die Jetty Eiserne Seebrücke, heute mit Restaurant Aus Holz 1905; aus Eisen ab ca. 1912

Mach vor dem Start ein Foto dieser Tabelle oder speichere die Seite offline. Die ganze Runde ist flach und verläuft größtenteils auf gepflasterten Gehwegen.

Der Rundgang, Station für Station#

1. Der Leuchtturm#

Starte am rot-weißen Leuchtturm von Swakopmund, direkt an der Strand Street und nah am Meer. Der Bau begann 1902, und 1910 wurde der Turm auf etwa seine heutige Höhe aufgestockt. Er ist noch in Betrieb, deshalb kannst du nicht hinein, aber er ist der einfachste Orientierungspunkt der Stadt, um sich zu treffen und zurechtzufinden.

Halte Ausschau nach dem Kunsthandwerksmarkt in der Nähe des Leuchtturms, wo Händler Schnitzereien, Körbe und Schmuck verkaufen. Hier kannst du gut direkt bei den Herstellern kaufen, aber schau dich erst in Ruhe um und handle nur höflich.

2. Swakopmund Museum#

Direkt am Meer, nahe dem Leuchtturm und der Mole, liegt das Swakopmund Museum, das 1951 von dem örtlichen Zahnarzt Alfons Weber gegründet wurde. Die Ausstellungen behandeln die Ökologie der Wüste, Mineralien, Ethnografie und die Kolonialzeit.

Jahrzehntelang erzählte das Museum vor allem die Geschichte der Siedler. Inzwischen gibt es eine Ausstellung zum Völkermord an den Ovaherero und Nama von 1904–1908, auch mit Forschungsergebnissen zu den Konzentrationslagern in Swakopmund. Wenn du nur ein Museum in der Stadt besuchst, nimm dir für diese Ausstellung Zeit.

  • Öffnungszeiten: meist täglich, ca. 10:00–17:00 Uhr
  • Eintritt: ca. N$ 30–80 (2026); vor Ort nachfragen

3. Die Mole#

Lauf ein paar Minuten an der Uferpromenade entlang zur Mole, dem massiven Wellenbrecher aus Stein, der um 1899–1903 gebaut wurde, um einen Hafen zu schaffen. Nach wenigen Jahren war das Projekt gescheitert. Der Benguelastrom trug Sand in das geschützte Becken, und der „Hafen“ versandete zu dem Strand, den du heute siehst. Dieser Strand, der Palm Beach, ist heute der wichtigste Badestrand der Stadt und ein guter Platz für den Sonnenuntergang; mehr dazu in unserem Guide zu den Stränden von Swakopmund.

Schau vom Ende der Mole zurück: Von hier siehst du die ganze Uferfront mit dem Leuchtturm, dem Museum und den kolonialen Dächern dahinter. Das große moderne Gebäude am Ansatz der Mole ist das Strand Hotel.

4. State House (Kaiserliches Bezirksgericht)#

Geh von der Mole landeinwärts zu dem großen Gebäude mit Garten und Mauer: dem ehemaligen Kaiserlichen Bezirksgericht. Es wurde 1902 als Amtsgericht gebaut, 1905 erweitert und erhielt 1945 seinen Turm. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde es zur Ferienresidenz der Verwalter des Territoriums, und seit der Unabhängigkeit dient es dem namibischen Präsidenten als Residenz an der Küste. Bewundere es nur von außen, sei mit der Kamera zurückhaltend, fotografiere kein Sicherheitspersonal und halte dich nicht an den Toren auf.

5. Das Marine-Denkmal#

Neben dem State House steht das Marine-Denkmal, das 1908 enthüllt wurde. Die deutsche Marineinfanterie in Kiel gab es in Auftrag; es ehrt deutsche Marinesoldaten, die 1904–1905 im Kampf gegen die Ovaherero fielen. Mit anderen Worten: Es erinnert an die Soldaten des Kolonialfeldzugs, nicht an seine Opfer.

Die Statue gehört zu den umstrittensten Denkmälern Namibias. Aktivistinnen und Aktivisten fordern ihre Entfernung, und aus Protest wurde sie schon mit roter Farbe übergossen. Hier lohnt es sich, kurz innezuhalten und daran zu denken, wer hier nicht geehrt wird.

6. Café Anton und das Schweizerhaus#

Zeit für eine Pause. Das Café Anton im Schweizerhaus Hotel nahe der Uferpromenade ist bekannt für seinen Kaffee, Apfelstrudel und andere Kuchen nach deutscher Art. Billig ist es nicht, aber es ist ein Swakopmunder Klassiker. Weitere Möglichkeiten in der Nähe findest du in unserem Guide zu den besten Restaurants in Swakopmund.

7. Das Woermannhaus und der Damaraturm#

Geh die Bismarck Street hinauf zum Woermannhaus, das du an seinem hohen Turm erkennst. Es wurde 1894 nach Plänen des Architekten Friedrich Höft für den Hamburger Kaufmann und Reeder Adolph Woermann und seine Damara and Namaqua Trading Company gebaut; 1903–1904 kamen zusätzliche Büros hinzu. Die Woermann-Linie beförderte Waren, Siedler und Soldaten zwischen Hamburg und der Kolonie. Der Damaraturm diente als Ausguck für einlaufende Schiffe, als Wasserturm und als Fahnenmast.

Nach der südafrikanischen Übernahme wurde das Gebäude von 1924 bis 1972 als Wohnheim genutzt und verfiel danach. 1971 wurde es zum Nationaldenkmal erklärt, restauriert und 1976 wiedereröffnet; heute beherbergt es die öffentliche Bibliothek der Stadt. Wirf während der Öffnungszeiten der Bibliothek einen Blick in den Innenhof. Unternehmen aus dem Woermann-Umfeld gehörten zu den Privatfirmen, die während des Krieges auf Zwangsarbeit setzten – eine Erinnerung daran, wie eng Handel und koloniale Gewalt miteinander verflochten waren.

8. Das Hohenzollernhaus#

Weiter geht es zur Tobias Hainyeko Street mit dem prunkvollen neobarocken Hohenzollernhaus, das zwischen 1904 und 1906 von und für den Geschäftsmann Hermann Dietz gebaut wurde; seine Initialen „HD“ stehen noch am Nordgiebel. Schau nach oben: Auf dem Dach trägt eine Atlas-Statue die Weltkugel. Das Hohenzollern Hotel, das hier untergebracht war, lief nie gut, und Dietz vermietete Teile des Gebäudes an die Stadtverwaltung. 1972 wurde es zum Nationaldenkmal, heute sind darin private Wohnungen, also bewundere es von der Straße aus.

9. Tobias Hainyeko Street und die Brauhaus Arcade#

Schlendere die Tobias Hainyeko Street entlang und durch die Brauhaus Arcade, eine Fußgängerpassage mit Läden, Cafés und dem Swakopmund Brauhaus. Achte auf die lokalen Kunsthandwerker und die Buchhandlung Die Muschel, in der sich das Stöbern lohnt, wenn du mehr über die Geschichte Namibias lesen möchtest. Tusk T-shirts, eine 1990 gegründete Firma aus Swakopmund, die seit 2001 in der Passage sitzt, entwirft und bedruckt ihre Shirts im Siebdruck vor Ort und ist damit ein besseres Souvenir als die meisten anderen.

Hier siehst du auch gut die verschiedenen Schichten der Stadt: Fassaden aus der Kolonialzeit neben Bauten aus den 1970er-Jahren und modernem Glas, dazu Straßennamen, die an Persönlichkeiten aus der Zeit des Unabhängigkeitskampfes erinnern, etwa Tobias Hainyeko, einen Kommandeur der PLAN, und Libertina Amathila, eine Aktivistin der Befreiungsbewegung und spätere stellvertretende Premierministerin.

10. Die Evangelisch-Lutherische Kirche#

Geh auf der Daniel Tjongarero Avenue landeinwärts bis zur Ecke Otavi Street. Dort steht die Deutsche Evangelisch-Lutherische Kirche, zwischen 1910 und 1912 im neobarocken Stil erbaut. Ihre Buntglasfenster wurden aus Bremen gestiftet. Die Kirche wird noch genutzt, nimm also Rücksicht auf Gottesdienste, wenn du an einem Sonntag kommst. Das alte Gebäude der Namib High School nebenan stammt aus derselben Zeit.

11. Der alte Bahnhof (Swakopmund Hotel)#

Ein paar Blocks weiter östlich, an der Theo-Ben Gurirab Avenue, steht das prächtigste Gebäude der Stadt: der alte Bahnhof, 1901 fertiggestellt und an seinen Türmchendächern leicht zu erkennen. Er diente der Staatsbahn nach Windhoek, die mit Zwangs- und Vertragsarbeitern gebaut wurde, und blieb jahrzehntelang ein Bahnhof.

In den 1990er-Jahren wurde er zum Swakopmund Hotel and Entertainment Centre umgebaut. Das historische Bahnhofsgebäude gehört heute zu den öffentlichen Bereichen des Hotels, du kannst also hineingehen, dir das Innere ansehen und etwas trinken. Mehr über das Gebäude heute steht in unserem Guide zum Swakopmund Hotel & Entertainment Centre.

12. Die Alte Kaserne#

Geh jetzt durch die Altstadt nach Südwesten Richtung Meer. Im Süden des Zentrums, ein paar Blocks von der Jetty entfernt, steht die Alte Kaserne, ein festungsartiger Bau mit Zinnenmauern und Ecktürmchen. Sie wurde 1905–1906 für die Männer der 2. Kaiserlichen Eisenbahnbaukompanie gebaut, die die Jetty errichteten, und später von Soldaten der Schutztruppe genutzt. Bis 1993 war sie eine Schule, danach eine Jugendherberge. Mit ihren zwei Flügeln von 55 m und 45,5 m Länge und zweistöckigen Türmen in der Mitte ist sie ein deutliches Machtsymbol des Kolonialstaats, und das Gebäude ist bis heute im Stadtwappen abgebildet.

13. Prinzessin-Rupprecht-Heim#

Gleich nebenan, in der Anton Lubowski Street 15, steht das einstöckige Prinzessin-Rupprecht-Heim. Es wurde 1901–1902 nach Plänen von Carl Schmidt als Lazarett für die Schutztruppe gebaut; die Kaserne wurde bewusst daneben errichtet. Während des Krieges von 1904–1908 übernahm die Armee den Betrieb. 1914 wurde es als Erholungsheim des Roten Kreuzes wiedereröffnet und nach Marie Gabrielle benannt, der Frau des bayerischen Kronprinzen Rupprecht. Die Zimmer tragen bis heute die Namen bayerischer Städte, deren Rotkreuzverbände den Umbau bezahlten. Heute ist etwa die Hälfte des Gebäudes das Hotel Prinzessin Rupprecht, die andere Hälfte ein Altenheim. Zusammen mit der Kaserne zeigt es, wie stark die Stadt um die Zeit des Krieges militarisiert war.

14. Die Jetty#

Beende deinen Rundgang bei Sonnenuntergang auf der Jetty. Ab 1905 wurde eine hölzerne Seebrücke gebaut, um den gescheiterten Hafen an der Mole zu ersetzen, doch Holzwürmer und die Atlantikdünung setzten ihr schnell zu. Um 1912 begannen die Arbeiten an einer weitaus längeren Brücke aus Eisen und Beton (die Quellen nennen Jahreszahlen zwischen 1911 und 1914), die 500–640 m über die Brandung hinausreichen sollte. Der Erste Weltkrieg stoppte das Projekt, und nachdem südafrikanische Truppen 1915 die Kontrolle übernommen hatten, wurde Walvis Bay zum Hafen des Territoriums. Die Jetty wurde deshalb nie fertiggestellt und diente fortan als Promenade.

In den 1990er-Jahren war die Eisenkonstruktion nicht mehr sicher und wurde 1998 gesperrt. Nach einer teilweisen Wiedereröffnung 2008 wurde sie neu aufgebaut und im August 2010 vollständig wiedereröffnet, rund 262 m lang und mit dem Restaurant Jetty 1905 an der Spitze. Der Spaziergang darauf ist zum Zeitpunkt der Recherche kostenlos, und hier erlebst du den schönsten Sonnenuntergang der Stadt.

Erweiterung: der Memorial Park und die Gräber der Völkermordopfer#

Wenn du ein Auto hast oder ein Taxi nimmst, schließ die Geschichte der Stadt dort ab, wo sie am ehrlichsten erzählt wird. Am Rand von Swakopmund, in Kramersdorf, markiert der Memorial Park (früher der African Cemetery, der „afrikanische Friedhof“) die Begräbnisstätte Tausender Ovaherero und Nama, die in den Konzentrationslagern der Stadt starben. Hinter den neueren Grabsteinen sind die Gräber der Opfer nur als niedrige Sandhügel zu erkennen, Reihe um Reihe. Traditionelle Führer der Ovaherero enthüllten hier 2007 einen Gedenkstein.

Der Ort ist bedroht: Forensische Archäologen, die ihn vermessen haben, dokumentierten Gräber, die durch Fahrzeugspuren, Erosion und Wohnbebauung an den Rändern beschädigt wurden. Sei bei deinem Besuch leise, bleib auf den Wegen, fahr oder lauf nicht über die Hügel und bewege nichts von der Stelle. Am besten kommst du mit einem lokalen Guide oder im Rahmen einer Township-Tour durch Mondesa, denn die Guides können dir die Geschichte erklären und vom anhaltenden Kampf der Familien um Anerkennung erzählen.

Praktische Tipps für den Rundgang#

  • Wann losgehen: Ideal ist der späte Vormittag, wenn sich der Nebel verzogen hat. Wenn du gegen 14:00 Uhr startest, erreichst du die Jetty zum Sonnenuntergang, aber das Museum schließt gegen 17:00 Uhr, also besuch es zuerst.
  • Was mitnehmen: Wasser, eine winddichte Jacke, Sonnencreme und einen Hut. Die Sonne ist stark, auch wenn es sich kühl anfühlt.
  • Fotografieren: Die meisten Fassaden lassen sich am späten Nachmittag am besten fotografieren. Frag, bevor du Menschen fotografierst, auch die Kunsthandwerker.
  • Barrierefreiheit: Die Route ist flach und größtenteils gepflastert und mit Rollstuhl oder Kinderwagen gut machbar, allerdings sind manche Bordsteine hoch, und auf der Jetty kann es windig sein.
  • Geführte Alternative: Mehrere lokale Anbieter bieten geführte historische Stadtführungen an, und manche gehen ausführlicher auf die Orte des Völkermords ein, als es eine Infotafel je könnte. Weitere Ideen findest du in unserem Guide zu den besten Aktivitäten in Swakopmund.
  • Übernachten in der Geschichte: Im Hansa Hotel von 1905 und im Prinzessin Rupprecht (Station 13) schläfst du in Gebäuden aus der Kolonialzeit.
  • Vorher lesen: The Kaiser’s Holocaust von David Olusoga und Casper W. Erichsen (2010) ist die gründlichste englischsprachige Darstellung des Völkermords und seiner Verbindungen zur späteren deutschen Geschichte – unter anderem der Tatsache, dass Heinrich Göring, der Vater des NS-Führers Hermann Göring, der erste Reichskommissar der Kolonie war.

Häufige Fehler#

  • Nur die hübschen Gebäude ansehen. Ohne den Hintergrund des Krieges und der Lager bekommst du nur die halbe Geschichte mit.
  • Das State House für ein Museum halten. Es ist eine Amtsresidenz: kein Zutritt und kein Herumstehen an den Toren.
  • Um 16:45 Uhr im Museum ankommen. Nimm dir mindestens eine Stunde Zeit, vor allem für die Ausstellung zum Völkermord.
  • Die Jetty auf einen anderen Tag verschieben. Am schönsten ist sie am Ende eines Rundgangs, bei Sonnenuntergang.

Mach einen ganzen Tag daraus#

Verbinde diesen Rundgang mit einem Mittagessen im Zentrum und dem Sonnenuntergang an der Jetty, oder kombiniere ihn mit einer morgendlichen Township-Tour durch Mondesa, um zu sehen, wie die Geschichte von Swakopmund die heutige Stadtgeografie geprägt hat. Mehr Ideen für kleines Budget findest du in unserem Guide zu den kostenlosen Aktivitäten in Swakopmund, und wenn du alles in einen kurzen Aufenthalt packen willst, hilft dir unser Reiseplan für 3 Tage in Swakopmund. Für das große Ganze startest du am besten mit unserem Reiseführer für Swakopmund.

Häufige Fragen

Wie lange dauert ein Stadtrundgang durch Swakopmund?

Für die Runde in diesem Guide brauchst du in gemütlichem Tempo etwa 2–3 Stunden. Rechne ein bis zwei Stunden mehr ein, wenn du das Swakopmund Museum besuchst und unterwegs einen Kaffee trinkst.

Kann man die historischen Gebäude in Swakopmund von innen besichtigen?

Einige, ja. Im Woermannhaus ist eine öffentliche Bibliothek, der alte Bahnhof ist heute ein Hotel mit öffentlich zugänglichen Bereichen, und das Museum ist täglich geöffnet. Andere, etwa das State House, sind Dienstsitze oder Privatbesitz und nur von außen zu sehen.

Wo kann man sich in Swakopmund über den Völkermord an den Herero und Nama informieren?

Das Swakopmund Museum hat inzwischen eine Ausstellung zum Völkermord von 1904–1908, und das kleine, privat betriebene Swakopmund Genocide Museum widmet sich ganz diesem Thema. Der Memorial Park in Kramersdorf am Stadtrand markiert die unmarkierten Gräber Tausender Lageropfer; lokale Guides bringen dich dorthin.

Wo steht die Alte Kaserne in Swakopmund?

Die Alte Kaserne steht im Süden der Altstadt, direkt neben dem Prinzessin-Rupprecht-Heim in der Anton Lubowski Street und nur ein paar Gehminuten von der Jetty entfernt. Sie ist ein Nationaldenkmal und ist im Stadtwappen abgebildet.

Ist es sicher, durch die Altstadt von Swakopmund zu laufen?

Ja, tagsüber ist das Zentrum belebt und entspannt. Pass gut auf Handy und Kamera auf, lass keine Taschen unbeaufsichtigt und nimm nach Einbruch der Dunkelheit für längere Strecken lieber ein Taxi.

Warum wurden in Swakopmund die Straßennamen geändert?

Nach der Unabhängigkeit 1990 wurden viele Straßennamen aus der Kolonialzeit durch die Namen namibischer Unabhängigkeitskämpfer ersetzt. Aus der Kaiser-Wilhelm-Straße wurde zum Beispiel die Sam Nujoma Avenue. Ältere Karten und manche Schilder zeigen deshalb noch die alten Namen.

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